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Das Neue-Nachbarn-Kochbuch

Rezepte für mehr Miteinander

Kochen mit Hassan Abakar Omar, Sudan, nobilis Esslust

nobilis Esslust hat mit acht Köchen aus Flüchtlingsländern Kulinarik ihrer jeweiligen Heimatländer gekocht. Begegnungen am Herd.

Sudanesische Küche

Hassan Abakar Omar kommt aus Al-Fashir, der umkämpften und gebeutelten Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaates Darfur. Die Stadt, in der Geschichte Ausgangspunkt wichtiger Karawanenrouten und Handelszentrum, ist heute Marktplatz für die landwirtschaftlichen Produkte aus der ganzen Region: Hirse, Erdnüsse, Sesam, Bohnen, Linsen. Hier war Hassan Abakar Omar Koch, ein angesehener Beruf im Sudan. Die pikanten und zum Teil sehr scharfen Gerichte hat er von seiner Mutter gelernt, für Hochzeiten und große Feste gekocht. Fufu, der Brei aus Maniok und Kochbananen, Ueka, die pikanten getrockneten Okra-Schoten, die würzigen Lammgerichte, die Ernusssaucen und die vielen Süßspeisen – das macht die Küche seiner Region aus. Heute kocht er für seine Landsleute in der Zeltsiedlung am Weißekreuzplatz mitten in Hannover.

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Gemeinsam kochen

Zusammen mit Tony Hohlfeld, früher Sternekoch aus der Olen Deele und jetzt sehr erfolgreich mit seinem Restaurant Jante am Braunschweiger Platz, treffen wir Hassan Abakar Omar, um mit ihm gemeinsam zu kochen. Noch spricht Hassan nur verhalten deutsch. Die gemeinsame Einkaufstour wird deshalb zu einer kleinen Expedition durch das überraschend breite Angebot an Bohnensorten. Hassan kennt sie alle, wählt gezielt aus. Die Produkte liegen nun vor uns. Fast sieht es so aus, als wollten wir auch alle Bewohner der Zeltsiedlung mit versorgen. Es sind zwei Küchenwelten, die aufeinander treffen – die filigrane Sterneküche und der sudanesische Lammeintopf. Gibt es eine Brücke zwischen beidem?

Kochen hat eine eigene Sprache

Als Hassan zu den Zwiebeln greift, uns anweist, zwei Hände voll Knoblauch-Zehen zu schälen, ich mit Tonys japanischem Profimesser einen kleinen Berg Nüsse hacke, verschwimmen die Grenzen. Wo Worte fehlen, helfen Gesten, das Verständnis für das Produkt und der gegenseitige Respekt der Profis, deren routinierte Griffe eine eigene Sprache sind. Jetzt kochen wir auf Augenhöhe. Mögliche Zweifel sind der Neugierde und dem Spaß gewichen.

Schon bald erfüllt den Raum der Duft nach Lamm. Hassan rührt in einem Topf Fufu, backt das typische Fladenbrot aus Grieß und Weizenmehl in der Pfanne und hantiert dabei gekonnt mit der apple-verdächtigen Steuerung des Induktionskochfelds, an dem Tony Hohlfeld und ich zuvor verzweifelt sind.

Neugier und Augenhöhe

Es geht ans Anrichten – hier dreht sich die Neugierde um. Denn bewusst wollen wir die Gerichte so präsentieren, wie es Hochküche hierzulande tut. Auch das gehört zur Augenhöhe. Nur ein Klacks Fufu, das Kesra-Brot zur Spirale gedreht, die herrlich pikante rote Sauce gibt den Spiegel für die perfekt gegarten Lammkeulchen. Für Hassan hat sein Gericht gerade die Reise nach Europa angetreten und bekommt hier einen neuen, faszinierenden Auftritt.

Genuss kennt keine Grenzen:
Das Neue-Nachbarn-Kochbuch

Angeregt durch Zutaten und Hassan Abakar Omars Rezeptur präsentiert nun Tony Hohlfeld ein eigenes Gericht: Lamm in einem Kokon aus eingelegtem Chicoree mit Zwiebelmajonaise, Röstzwiebelsand und rotem Zwiebel-Korall. Wir probieren abwechselnd: Faszinierende Übereinstimmungen in Aromen, eindrucksvolle Unterschiede in Kombinatorik und Darreichung, zwei inspirierte Köche, ein glücklicher Gastrotester. Und vor allem die Bestätigung, dass Genuss keine Grenzen kennt. Der Erlös des Neue Nachbarn Kochbuchs geht an das Flüchtlingsprojekt „Happy Box“.
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