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24 Grad

Kaffee vom Feinsten

24 Grad nobilis Esslust

Jeden Morgen braucht es den richtigen Muntermacher. Dr. Jürgen Piechaczek ist Kaffee-Experte und betreibt seine eigene kleine Rösterei am Engelbosteler Damm. „24grad“ heißt das dazugehörige Café. nobilis ist dem duftenden Getränk auf den Grund gegangen.

Jeden Morgen braucht es den richtigen Muntermacher. Dr. Jürgen Piechaczek ist Kaffee-Experte und betreibt seine eigene kleine Rösterei am Engelbosteler Damm. „24grad“ heißt das dazugehörige Café. nobilis ist dem duftenden Getränk auf den Grund gegangen.

Eine Kaffeefahrt der besonderen Art

140 Liter Kaffee trinkt jeder von uns im Jahr. Damit sind wir Deutsche auf dem zweiten Platz der Weltrangliste, gleich nach den Finnen. Und dennoch kommt viel Ungefiltertes in die Tüte. Daran hat auch der Kaffee-Hype der letzten Jahre nichts geändert. Rund  85 Prozent des Kaffeeabsatzes läuft noch immer über wenige Großanbieter in Deutschland. Dabei geht manchmal neben der Vielfalt auch die Qualität verloren. Denn bei einem Weltmarktpreis von allein 5 Euro pro Kilo zuzüglich Transport, Steuern, Händlerspanne und Röstaufwand wäre sonst wohl nicht erklärlich, dass bei uns die schwarzen Bohnen vielfach so günstig sind.

Neues Qualitätsverständnis

Deshalb wirbt Dr. Jürgen Piechaczek für ein neues Qualitätsverständnis. Er ist echter Überzeugungstäter in Sachen Kaffee. Zwei Jahre brachte er in Kolumbien zu, um seine Promotion über Anbau und Handel der begehrten Bohnen zu schreiben. Er folgte dem Ruf des Kaffees nach El Salvador, Costa Rica, Ruanda und Äthiopien. Und er war der einzige Deutsche unter den 18 Juroren des weltweit führenden Kaffee-Wettbewerbs „Cup of Excellence“ in El Salvador, bei dem alljährlich die besten Kaffees der Hauptanbauländer nach strengem Reglement ausgezeichnet werden.

Direktimport und Raritäten

Einige  dieser ganz besonders hochwertigen Kaffees gibt es auch in seiner Rösterei „24grad“ am Engelbosteler Damm in Hannover, die er zusammen mit dem Ernährungswissenschaftler Markus Glaubitz aufmachte. Sein Ziel: Mehr Genuss, mehr Vielfalt – und mehr Verdienst für die kleinen Kaffeebauern in den armen Regionen der Welt. Deshalb importiert er seine Kaffees meist direkt und kann selbst echte Raritäten zu sehr akzeptablen Preisen anbieten.

Zehn sortenreine Kaffees

Jürgen Piechaczek bahnt mir einen Weg durch sein Sortiment. Im 24grad bietet er zehn sortenreine Kaffees aus allen Teilen der Welt – angebaut in den Grenzen des 24. Breitengrades. Hier wachsen die besonders hochwertigen Sorten. Eine wandfüllende Zeichnung im Cafe illustriert das. Neben dem ständigen Angebot hat er sich durch seine internationalen Kontakte manch besondere Bohne gesichert, die er nach und nach dem hannoverschen Publikum präsentieren wird.

Kaffeefahrt rund um den Globus

Wir machen es uns in den Cocktail-Sesseln aus den 50er Jahren gemütlich, stellen unsere Sammel-Tassen auf Nierentischen ab, begeben uns auf unsere Kaffeefahrt rund um den  Globus. Das Interieur soll dabei an die Kaffeekultur der Wirtschaftswunder-Zeit erinnern. Damals wurde einer guten Tasse Kaffee noch mehr Achtung entgegengebracht als in unserer heutigen To-Go-Kultur, meint Jürgen Piechaczek. Im Hintergrund arbeitet die transparente Heißluft-Röstmaschine, mit der alle Kaffees täglich frisch aus Rohbohnen hergestellt werden. Der Vorteil des Verfahrens gegenüber den Großanlagen ist klar. Hier kann der Vorgang sekundengenau gesteuert werden. Jürgen Piechaczek hat auf diese Weise die genau richtige Röstdauer für seine Kaffees ausgetüftelt. Und dennoch kommt es auf die Röstung erst in zweiter Linie an – die Bohnen müssen stimmen. Dann ist der Rest solides Handwerk.

Java büßt mit Milch kaum Geschmack

Wir starten mild mit einem Java aus Indonesien, der mit seiner cremigen Süße und den deutlichen Schoko-Anklängen kraftvoll in den Tag geleiten kann. Die gut ausbalancierte Säure schont den Magen. Und auch mit Milch büßt der Java kaum seinen Geschmack ein. Bereits bei dieser ersten Tasse merke ich, dass das Verkosten von Kaffee viel von einer Weinprobe hat. Der Geruch, die ersten Geschmackseindrücke, dann die ganze Komplexität am Gaumen. Andächtig trinke ich weiter.

Ein Nachmittags-Kaffee

Unsere Nummer zwei ist ein wahrer Fruchtkorb: Kirimiro aus Burundi. Das Land lebt zu 80 Prozent vom Kaffee. In sehr kleinen Parzellen bauen rund 800 000 Bauern die Bohnen an. Unser Kirimiro hat eine deutliche Zitrus-Note, Orangen, Johannisbeere ja sogar Rhabarber und Cranberry schmeckt man. Mit abnehmender Temperatur kommen eine Honignote und Anklänge von dunkler Schokolade durch. Ein wunderbarer Nachmittags-Kaffee.

Handgeerntete Lagen

Kommen wir zum Land mit den hochwertigsten Kaffees weltweit: Kolumbien. Die Bauern, die den Quebradon in unserer Tasse angebaut haben, kennt Jürgen Piechaczek zum Teil persönlich. Aufgrund der extremen Steillagen, in denen der Kaffee hier angebaut wird, muss meist von Hand geerntet werden. Diesen Kaffee empfehle ich nach dem Essen – eine deutliche Vanille-Note, elegante Säure und eine kräftige Harmonie stecken in dieser „runden“ Tasse.

Ein Kaffee wie ein Digestif

Zum Schluss präsentiert mir Jürgen Piechaczek einen der bestplatzierten Kaffees aus dem „Cup of Excellence“: „Miralvalle“ aus El Salvador. Dieser Kaffee ersetzt in seiner vielgestaltigen Frucht manchen Digestif. Brombeere, Pflaume, Apfel, Karamell und auch eine leichte Tabaknote. Ein langer orangeartiger Nachgeschmack begleitet mich in den kommenden Minuten. Herrlich.

Die beste Art Kaffee zu kochen

Diese Reise durch die Kaffee-Welt war gleichzeitig eine Reise durch den Tag – vom kraftvollen, aber milden Jave am Morgen, über den Kirimiro am Mittag bis zum Quebradon und vor allem dem Miralvalle nach dem Dinner. Alle Kaffees bereitet Jürgen Piechaczek in French-Press-Kannen zu – auch aus Sicht der amerikanischen Kaffee-Vereinigung die beste Methode. Denn so kommen die Öle durch, die dem Kaffee den unvergleichlichen Geschmack geben. Er malt die Bohnen frisch, nimmt 5 Gramm je 100 ml Wasser, gießt den Kaffee mit 94°C heißem Wasser auf und lässt ihn dann 4 Minuten ziehen.

Anderer Geschmack je nach Temperatur

Interessant dabei: Der Kaffee verändert seinen Geschmack mit abnehmender Temperatur. Ein Zeichen von Güte ist es, wenn er auch kalt nicht bitter schmeckt. Profi-Verkoster trinken ihn deshalb nur kalt. Nach fast drei Stunden Kaffeegenuss merke auch ich die besonders belebende Wirkung des Getränkes, die nach Auskunft meiner Familie auch den ganzen Abend über angehalten hat. Aber das mag auch an der ansteckenden Leidenschaft des Jürgen Piechaczek für Kaffee gelegen haben.

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