Zurück zur Übersicht

Ein Besuch bei Obstbauer Dirk Zabel

Eine runde Sache

Der Sündenfall scheint dem Apfel nicht geschadet zu haben. Über dreißig Kilogramm nehmen wir Deutschen pro Jahr davon zu uns – als Obst, Saft oder Mus. Obstbauer Dirk Zabel bietet auf seinem Hof fünfzehn verschiedene Apfel-Sorten und forscht nach weiteren. nobilis Esslust hat kraftvoll zugebissen.

Damit steht die runde Frucht unangefochten auf Platz eins der Obst-Hitliste. Der Vielfalt der Genüsse steht aber eine immer geringere Supermarkt-Auswahl gegenüber. Fast 70 Prozent der in Deutschland verkauften Äpfel sind Jonagold oder Golden Delicious.

Der Standard-Apfel

Dabei gibt es über 1 500 Sorten. Grund für die schlanken Sortimente sind die Logistikanforderungen der Handelsketten. Die Äpfel müssen lange Transportwege ohne Schäden überstehen, auch nach Tagen im Regal noch knackig rot aussehen, lange halten und natürlich möglichst billig sein. Denn über die Hälfte der Äpfel wird allein über einen großen Lebensmittel-Discounter abgesetzt. Das Resultat: Der Standard-Apfel. Der makellosen Optik fallen dabei aber oft die inneren Werte zum Opfer. Und damit wären wir ja fast schon wieder bei Adam und Eva.

Demnächst Äpfel von Apple?

Hinzu kommen globale Mode-Äpfel – gezüchtet als Markenprodukt. „Pink Lady“ heißt eine der neuesten Versuchungen. Der Import-Apfel kommt aus Australien und wird in Lizenz in südlichen Ländern angebaut. Pro Baum und Kilogramm verdient der Entwickler zum Teil erheblich mit. In bunten Fernsehwerbungen präsentiert sich die rosafarbene Kugel mit dem herzförmigen Aufkleber als der Apfel der Liebe – besonders zum Valentinstag hat er Hochkonjunktur. Mein Test fällt eher mäßig aus. Dennoch ist fast jeder zehnte Apfel mittlerweile ein solches Lizenzprodukt. Tendenz steigend. Fragt sich, ob nicht bald auch ein Computerhersteller gleichen Namens in den Markt einsteigt. Zumindest die Vermarktungsmethoden wären ähnlich.

Apfelbauer in dritter Generation

Das Gegenmodell vertritt Dirk Zabel, in der dritten Generation Obstbauer in Holtensen. Auch er baut die bekannten Bestseller an. Und dennoch bietet er auch solche Sorten, dieim Supermarkt keine Chance hätten. Der Berlepsch zum Beispiel. Ein Liebhaber-Apfel, der 1880 gezüchtet und nach dem bekannten Freiherren benannt wurde. Das feste Fruchtfleisch ist sehr saftig, erfrischend, fast kräftig. Zudem hat der Berlepsch einen besonders hohen Anteil an Vitamin C. Seinem Äußeren nach wird er den Vergleich mit den Hochglanzäpfeln aus der Fernsehwerbung nicht gewinnen. Dem Geschmack nach allemal. Gut, dass man ihn auf der Obstplantage der Zabels direkt kaufen kann.

Neue Sorten für das Alte Land

Es sind aber nicht nur diese alten, seltenen Apfelsorten, denen sich Dirk Zabel zuwendet. Der studierte Gartenbauwissenschaftler ist im Auftrag der deutschen Apfelbauern als Scout für Sorteninnovationen weltweit unterwegs. In Neuseeland,
Australien, den USA oder Europa forscht er nach neuen Varianten einer der ältesten Obstsorten überhaupt. Denn erst die Römer brachten den Apfel nach Mitteleuropa. Seine Wiege stand eigentlich in Asien. Immer wieder neue Züchtungen ergaben über die Jahrhunderte jene Vielfalt, die wir heute auf Supermarkttauglichkeit reduzieren.

Deshalb sucht Zabel nach den Äpfeln, mit denen regionale Bauern auch weiterhin gegen den globalen Wettbewerb bestehen können. Die Auswahl der richtigen Sorte hat hohe wirtschaftliche Bedeutung für sie. Einmal entschieden, sind es nicht selten 20 Jahre, die sie am Baumbestand einer Plantage festhalten müssen.

Zabels Liebling

Der neue Liebling von Dirk Zabel heißt Wellant – ein Apfel, der 1987 in den Niederlanden gezüchtet wurde. 2008 wurde er Apfel des Jahres. In Aroma, Nachgeschmack und seinem hohen Zucker- und Säuregehalt hat er diese Auszeichnung allemal verdient. Bei der Verkostung von verschiedenen Sorten des Zabelschen Obsthofes kommt er bei mir auf Platz zwei.

Die Apfel-Hitparade

An Platz eins steht ebenfalls ein hocharomatischer Apfel: Rubinette. Mit gefällt das ausgewogene Verhältnis von Zucker und Säure. Dieser Apfel ist nicht zu süß, hat eine andere geschmackliche Komplexität. Zudem ist er eher etwas kleiner und hat damit das richtige Snack-Format. Für den Anbau von Rubinette gebührt den Zabels zudem Respekt – der Ertrag der Sorte ist nur halb so hoch wie bei Bestseller Jonagold.

CW_20121014__1601
Den dritten Platz hält souverän der schon beschriebene Rote Berlepsch. Danach folgen Elstar, Braeburn und Gala, die ihrerseits wieder mehr an die TV-Stars erinnern. Dennoch sind sie knackig, der Elstar mit seiner feinen Säure sogar würzig und erfrischend. Wie wenig Apfel hat man im Vergleich bei den Standard-Sorten. Auf dem Hof von Dirk Zabel wird der Apfel wieder zur Frucht der Versuchung. Und wenn man durch die rot leuchtenden Reihen voll hängender Bäume spaziert, sieht es auch ein bisschen aus wie im Paradies.

Zurück zur Übersicht