Zurück zur Übersicht

Suppe befreit vom Muff der Gulaschkanone

Löffel-Held

Suppen Köster nobilis Esslust

In den meisten Haushalten fristet sie bestenfalls noch ein Vorspeisen-Dasein, die gute, alte Suppe. Dabei könnte sie eigentlich der Star sein. Der junge Koch Jens-Peter Köster aus Hannover befreit die Flüssig-Speise jetzt vom Muff der Gulaschkanone. Was er einbrockt, löffeln wir gerne aus.

Begonnen hatte alles mit abendlichem Magenknurren. Wenn der hannoversche Koch-Azubi Jens-Peter Köster nach getaner Arbeit aus der Küche von Bieslers Weinstube nach Hause kam, hatte er meist selbst noch Hunger.

Es ist noch Suppe da …

Für ein großes Menü war es zu spät. Und es sollte ja auch nur noch ein warmer Snack sein. Er probierte einiges aus und traf letztlich auf eine alte Bekannte – die Suppe. Dosen und Pulver räumte er schnell beiseite. Denn selbst bei sogenannten Gourmet-Suppen macht die Beschreibung der Inhaltsstoffe wenig Appetit.

Konservierungsmittel und Geschmacksverstärker sind da nur der Anfang. Also selbst an den Herd. Von  klassisch bis experimentell reichten die Kreationen, die er sich fortan für den Spät-Imbiss vorkochte.

Grinse-Linse und Gurki

Gegenwärtig findet sich auf der „Hausgemacht“-Suppenliste noch viel Traditionelles, wenn auch mit wunderbar neuen Namen: Löffel-Tomate, Kartoffel-Lauch Glück, Grinse-Linse oder Gurki heißen die zum Teil auch gekühlt zu genießenden Fertig-Suppen. Bei jeder gibt der Koch auf den handgeklebten Etiketten noch Empfehlungen zur Verfeinerung. Croutons hier, frische Kräuter da. Zubereitet werden die Suppen mehrmals wöchentlich in einer Großküche, in der Jens-Peter Köster vor dem allgemeinen Betrieb frühmorgens die Gerätschaften nutzen darf. Es versteht sich von selbst, dass dabei keine Zusatz- oder Farbstoffe zum Einsatz kommen. Auch die Gemüse-Brühe als Basis kocht er selbst. Sein heimischer Keller wurde zum Zwischenlager und zur Etikettierstation umgenutzt. Und vertrieben wird über Wochenmärkte, auf denen Jens-Peter Köster zusammen mit seiner Freundin Nilay Valder auch zum Probieren einlädt. Ein Knochen-Job,aber Überzeugungstäter machen das so.

Scharfer Sommer

Meine persönlichen Favoriten der Haugemacht-Suppenkreationen: Die Gazpacho bringt eine herrliche Schärfe in die wenigen heißen Tage dieses Sommers. Servieren Sie es eiskalt und geben Sie etwas gewürfelten Schafskäse und Koriander dazu.

Die „Scharfe Möhre“ macht das gleiche mit den weitaus häufigeren kühlen Tagen dieses Sommers. Jens-Peter Köster gibt reichlich Ingwer und Zitronengras hinein, würzt mit Curry, Chili und Zimt. Wer mag, kann hier auch eine Scheibe kross gebratenen Speck ergänzen. Das bringt noch einmal eine schöne Bitternote auf den Teller. Gespannt darf man zusätzlich auf die neuen Kreationen sein, die saisonal das Sortiment der Publikums-Lieblinge bereichern.

Ein echter Löffelheld

Das war die Geburtsstunde einer guten Idee. Denn von Freunden erfuhr Jens-Peter Köster, dass auch sie allabendlich noch auf der Suche nach Essbarem waren. Zehn von ihnen erklärte er kurzerhand zu Testpersonen und ließ sie probieren. Als er
nun seine Lehr- und Wanderjahre abschloss, die ihn auch in die Sterneküche der Oberländer Weinstube nach Karlsruhe führten, stand sein Entschluss – er wollte professioneller Löffelheld werden.

„Hausgemacht“ heißt sein Label, unter dem er seither eine ganze Reihe köstlicher Suppen herstellt und in handliche Glasflaschen für genau zwei Portionen abfüllt. Frische und beste Qualität der Zutaten vom Hof Wegener aus Wunstorf sind für ihn dabei selbstverständlich, Kreativität hingegen ist sein Markenzeichen. Denn wie bei kaum einem anderen Gericht verrühren sich in der Suppe Geschmäcker aus Omas Küche und schier unendlich viele neue Möglichkeiten der Kombination.

Im Moment fertigt Jens-Peter Köster in seiner kleinen Manufaktur wenige hundert Suppen im Monat. Mein neu inspirierter Suppenhunger wird sicherlich dabei helfen, dass es ein paar mehr werden. Und neuerdings haben sich sogar die ersten Einzelhändler interessiert gezeigt.

In jedem Fall lohnt es sich, wieder den Löffel zu Hand zu nehmen. Denn eines ist klar: Auch mit hoffentlich fortschreitendem Erfolg seiner Initiative gegen den abendlichen Heißhunger wird Jens-Peter Köster sicherlich keine seiner hohen Qualitätsanforderungen über Bord werfen. „Hausgemacht“ bleibt hausgemacht.

Zurück zur Übersicht