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Hannovers Diner im Test

Freiheit im Namen des Fleischklopses

Und? Wieviele Gänsebraten, Hirschkeulen und Truthähne waren es bei Ihnen? Die Schlemmer-Festtage sind vorbei. Jetzt kommt die Zeit der kulinarischen Befreiung. nobilis hat Diner für Sie getestet.

Zum Genießen: Junk-Food Henry‘s Style

Am Anfang steht ein Kulturschock. Denn bei Henry‘s müssen Sie sich zunächst einen Weg durch das Ballermann-Ambiente des Barbereiches bahnen. Aber: Was danach kommt, entschädigt. Wir nehmen im leicht schummrigen und gut abgeschirmten hinteren Teil der „American Bar“ auf unkaputtbaren Holzbänken Platz, studieren alte Werbeanzeigen und Filmgrößen, die die Wände flächig verkleiden.

Sofort ist der freundliche und sehr engagierte Service zur Stelle. Hier isst man nicht nur american, hier passt auch das Personal, bei dem man übrigens auch in Dollar oder Pfund bezahlen kann. Wir geben unsere Bestellung folglich in Englisch auf und testen die Cocktails. Nichts Extravagantes, aber gut gemacht und süffig. Zum Essen nehmen wir Guinness und Snapples Eis-Tee – die Klassiker eben.

Wohlschmeckender Anschlag

Und dann beginnt der wohlschmeckende Anschlag auf unsere Cholesterin-Werte: Stäbchen aus knusprig frittiertem und in Kräuterbutter geschwenktem Mozzarella-Käse mit einer kräftigen italienischen Tomatensauce. Nachos mit vier verschiedenen Saucen, Jalapenos und Frühlingszwiebeln. Chicken Wings mit einer gottvollen Gorgonzola-Sauce und Sellerie. Okay, die Hälfte der Zutaten stammt aus der Tube. Aber die Kombination mit Eigenkreationen überzeugt absolut.

Der König der Speisekarte

Das trifft auch auf den König der Speisekarte zu, den Burger. Hier werden nicht schockgefrostete Formfleisch-Bouletten verarbeitet, bei Henry‘s liegen handgemachte, lockere und auf Wunsch auch englisch oder medium gegarte Rindfleisch-Klopse auf den beidseitig getoasteten Brötchenhälften. Absolut überzeugend: die Saucen. Die hausgemachte Guacamole führt diese Liste deutlich an. Einen kleinen Dämpfer bekommen wir, als wir den Milchshake mit weißer Schokolade versuchen. Wir lassen das sehr süße Mixgetränk stehen – schließlich haben wir heute schon genug für unsere Figur getan. Beim Verlassen des Henry‘s passieren wir erneut eine Meute rotgesichtiger Trinkhelden – nach unserer Stärkung fühlen wir uns ihnen aber durchaus gewachsen.

Zum Wohlfühlen: „ … the true original“

Bei Mel‘s Diner ist wirklich alles original. Vor elf Jahren hatte der damalige Besitzer ein komplettes Diner-Restaurant in zwei Teilen nach Deutschland bringen lassen. Und bis heute glänzt der Chrom, laden die Resopal-Tische und rot gepolsterten Sitzbänke zu einer Zeitreise in die Fünfziger ein.

Lockerer Service

Komplett ins Bild passt auch der plauderig-unkomplizierte Service: Kurze weiße Röcke, leicht getönte Strumpfhosen und eine fast schon unbedarfte Fröhlichkeit – die Mädels (Verzeihung!) sehen einfach aus wie aus dem Prospekt. Mel’s Team macht es sichtlich Spaß. Das reißt schnell auch den einen oder anderen Gast mit. Nicht ganz ins Bild passt da der laut plärrende MTV-Bildschirm, während eine Woolitzer stumm in der Ecke steht und bestenfalls für die Lichteffekte verantwortlich zeichnet.

Ambiente und Stil passen

Dennoch: Ambiente und Stil passen bei Mel‘s. Anders sieht es mit dem Essen aus: Der geschäftig hinter dem Tresen hantierende Koch rührt maßgeblich Convenience-Produkte zusammen. Die Mozzarella-Sticks sind Fett pur und täuschen auch geschmacklich nichts anderes vor. Die Nachos werden unter einer dicken Decke von Käse und Hackfleisch zur ewigen Ruhe gebettet. Und die Chicken Wings beflügeln kaum. Okay. Versuchen wir den Hauptgang.

Burger zum Zusammenbau

Mit gelungenen Pommes serviert man uns einen Teller, der alle Bestandteile für einen Burger zum selbst Zusammenbauen enthält: beidseitig getoastete Brötchenhälften, Salat, Gurke, Zwiebeln, Tomate, Fleisch. Letzeres jedoch ohne erkennbaren Eigengeschmack, dafür aber unter einer alles dominierenden Sauce begraben, die ihrerseits leider auch nur aus der Flasche kommt. Wir spülen alles mit einem Miller herunter.

Dessert? Schade …

Dessert? Brownie á la Mode und Apfelkuchen waren vor wenigen Minuten noch tiefgefroren – nun werden sie mit einer Riesenportion Sprühsahne und Schwartau-Schokoladensoße zu neuem Leben erweckt. Schade. Denn Mel‘s Diner hat Potenzial. Würde die Küche mehr Selbstbewusstsein entwickeln und nicht nur auf vorfabrizierte Produkte setzen – wir wären hier kaum wieder wegzubekommen.

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