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Lister Meile

Viergang-Spaziergang

Hannover, Gastro-Rundgang mit Robert Kroth über die Lister Meile

Erst 1975 wurde die Lister Meile zur Flaniermeile zwischen Hauptbahnhof und Lister Platz. Zahlreiche Einzelhändler locken mit einem unverwechselbaren kulinarischen Angebot.

Summer in the City.

Schlemmen in der Lister Meile

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Robert Kroth hat sich durch die quirlige Fußgängerzone der List gefuttert.

Das Leben der Cafes und Restaurants hat sich nach draußen verlagert. Die Terrasse des einen geht nahtlos in die des anderen über. Die Straße wird zu einem großen Speisesaal. Angeregte Unterhaltung allenthalben, klirrendes Geschirr, Bekannte, die sich über Restaurantgrenzen hinweg Besuche abstatten, Kellner, die den im Sonnenverlauf tischwechselnden Gästen zu folgen versuchen. Ein Hauch von Süden in der Lister Meile.

Die Flaniermeile der List

1300 Meter sprudelnde Brunnen, Jugendstilfassaden und zumindest an diesem Samstag entspannte Einheimische. Dabei führte bis in die 50er Jahre noch der komplette Durchgangsverkehr zwischen Hamburg und Frankfurt hier hindurch. Erst 1975 wurde die Strecke vom Lister Platz bis zum Hauptbahnhof Flaniermeile. Städtisches Leben setzte sich gegen Autoverkehr durch. Heute müssen sich die zum Glück noch zahlreich vorhandenen kleinen Geschäfte gegen die Filialisten behaupten. Bestes Rezept hierfür ist ein unverwechselbares Angebot – so wie bei den Restaurants, denen wir heute einen Besuch abstatten.

Vorspeise: Ecco

Wir starten unsere kulinarischen Schlenderei bei Ecco zwischen Gretchen- und Seumestrasse. Spätestens hier kommt italienische Lebensfreude auf. Die Klapptüren des kleinen Restaurants sind komplett geöffnet und machen Tische und Bänke auf dem Trottoire zum Teil des Gastraums. Sehen und Gesehen werden – das gehört hier nicht nur im Sommer dazu. Der Tresen im Restaurant ist prall gefüllt mit Köstlichkeiten aus dem Süden: Parmaschinken in unterschiedlichen Reifegraden, duftende Fenchel- und Wildschweinsalamie, Mortadella, eingelegte Gemüse, dutzende Käsesorten. Wunderbar. Neben belegten Sandwiches werden auch Nudeln mit Wunschsoße angeboten. In Wandregalen gibt es Gebäck, Wein und Kaffeespezialtäten. Nicht zu vergessen eine beachtliche Auswahl an Grappe. Aber wir sind ja noch bei der Vorspeise. Folglich bestellen wir einen Antipasti-Teller, der wirklich ein beachtliches Ausmaß hat. Das Beste aus dem Feinschmecker-Tresen. Und alles frisch aufgeschnitten. Dazu ein Glas Spinalba, eine frisch-fruchtige Weißwein-Entdeckung vom hannoverschen Gastro-Universalisten Sauro Mariotti. Ein gelungener Start, an dem nicht zuletzt auch der quirlig-freundliche Service entscheidend mitwirkt.

Fisch-Gang: Göbsers Meeresbuffet

Eine echte hannoversche Fischlegende hat sich wenige Meter stadteinwärts niedergelassen: Göbsers Meeresbuffett. Die Familie betrieb seit 1892 in der Markthalle einen weit bekannten Stand, Anfang diesen Jahren verlagerten sich Rosina und Oliver Göbser nun in die Lister Meile. Wie auch das Ecco sind sie Feinkostgeschäft und Restaurant in einem. Im langen Glastresen tummelt sich ein Who-Is-Who der Weltmeere: Steinbutt, Seeteufel, weißer Heilbutt, Seezunge, Scholle oder auch Gelbflossen-Thunfisch, Schwertfisch, Calamari und Jakobsmuscheln. Ein solches Angebot spricht für sich. Oliver Göbser bereitet den Fang höchst kompetent küchenfertig her – oder bietet ihn zum sofortigen Verzehr im Restaurant an. Auch hier gibt es Außentische. Das Ambiente ist eher funktional, lädt nicht zum längeren Verweilen ein. Aber Frische und Genuss stehen hier ganz oben. Unsere Jakobsmuscheln sind perfekt gebraten, dazu gibt es frischen Salat. Und auch unsere taufrische Seezunge ist ausgezeichnet. Wir essen sie mit gegrilltem Gemüse. Der Preis für unseren Edel-Fisch ist überraschend günstig, die Portionen hätten auch das Zeug zum Hauptgang.

Weine aus aller Welt

Den Wein holen wir uns beim Nachbarn. Tobias Müller hat hier ganz neu seinen Weinladen aufgemacht. Er bietet nicht die allseits bekannten Tropfen, sondern eine persönliche, individuelle Auswahl aus aller Welt. Und: Nahezu alle Weine bis hin zum Jahrgangs-Champagner werden an der Bar offen ausgeschenkt, es gibt Tapas an Außentischen bis kurz vor Mitternacht und regelmäßige Erkundungstouren durch das breite Sortiment.

Hauptgang: Reimanns Eck

Mein Spaziergang durch die Lister Meile geht am kulinarischen Altmeister Hannovers nicht vorbei. Deshalb gebührt Ekkehard Reimann mit seinem Reimann’s Eck am Weißekreuzplatz der Hauptgang. Genau gegenüber seiner hauptsächlichen Wirkungsstätte im Clichy bietet er hier deutsche Küche in bester Qualität. Schon in meinem Bratkatoffel-Test hat er gut abgeschnitten, der wunderbar bissfeste Burgdorfer Spargel mit kleinen Wiener Schnitzeln und vor allem die hauchzarte Rinderzunge in Meerrettich-Sauce mit Kapern übertreffen das Urteil noch einmal. Drinnen sitzt man an gedeckten Holztischen mit Blick auf alte Panorama-Bilder und Hannover-Requisiten, zu denen auch einige Fotos des Patrons selbst gehören. Wir machen es uns jedoch draußen in der Sonne mit Blick auf das bunte Treiben in der Lister Meile bequem. Trotz Außenposition ist der engagierte Service immer gleich zur Stelle. Hier könnten wir mit dem einen oder anderen Glas Riesling auch gern den weiteren Tag verbringen.

Dessert: Kreipes CoffeeTime

Seit 1873 bietet die Konditorei Kreipe in Hannover ausgezeichnete Kuchen und Pralinen. Zum Glück hat Kaffee-Kuchen heute wieder Konjunktur. In modernen, bisweilen leicht transzendent anmutenden Räumlichkeiten präsentiert sich Kreipe auch den Anhängern der neuen Kaffee-Kultur. CoffeeTime bietet folglich viel Philosophie zu den Herkunftsstätten des schwarzen Getränks – aber eben auch das gewohnt gute Backwerk. Mit meiner ausgezeichneten Rhabarber-Tarte auf dem Teller schmiege ich mich an einen dicken Buddha auf der Außenterrasse, der sich anschickt das neue Maskottchen des Hauses zu werden. Vielleicht gibt es deshalb heute auch die berühmte Bismarcktorte nicht, die bisher Symbol des Traditionshauses Kreipe war. Tausche Bismarck gegen Buddha. Spaß macht es in jedem Fall.

Wenn wir schon von neuer Ess-Kultur sprechen: Natürlich bietet die ListerMeile auch hinreichend viel Süßes togo an. Mein Favorit nach ausführlichem Test ist das Eiscafe San Marco, das gleich zweimal auf der Meile vertreten ist. Wassermelone, Sesamkrokant, dunkle Schokolade – allesamt ausgezeichnet in der Waffel, aber gern auch als Eisbecher für niedergelassene Genießer.

Zu so viel sommerlichem Treiben gehört der meisterhafte Cappuccino danach. Wir genießen ihn wiederrum in einer Institution. Im kleinen roten Pavillion, der rund um einen Baum errichtet wurde, gibt es seit mehreren Jahrzehnten den besten Cappuccino der Lister Meile. La Lanterna bietet aber natürlich mehr – zum Beispiel eine sehr gute Pizza vom Blech. Aber dafür müsste ich jetzt wieder von Neuem anfangen.

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