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Nachtleben

Hannovers Cocktailbars, Clubs und Kneipen

nobilis hat das kulinarische Nachtleben der Stadt durchforstet, hat Cocktailbars, Clubs und ganz normale Kneipen getestet. Auf ins Wochenende!

Perfekte Cocktail-Erlebnisse

Jetzt gibt es keinen Grund mehr, sich zu Hause zu langweilen. Wir starten in Harry‘s New York Bar im Pelikan, der hannoverschen Dependance der ältesten Cocktailbar Europas, 1911 in Paris gegründet.

In Hannover ist sie nicht ganz so alt, doch ähnlich professionell: Modern und gemütlich ist die Atmosphäre in dem hohen Raum mit der langen Bar und den getäfelten Wänden. Wir werden sehr freundlich begrüßt und haben auch an diesem Samstag kein Problem, einen Platz zu finden. Gerade einmal 20 Gäste haben auf den Barhockern und in den bequemen Sesseln Platz genommen. Passend zu einem Glas Champagner (Veuve Cliquot für 12,50 Euro, leider nicht optimal gekühlt) setzt die Livemusik am hauseigenen Flügel ein.

So stellen wir uns die ideale Bar vor. Wir lehnen uns zurück und schmökern in der Karte, die Cocktails, eine beeindruckende Sammlung an Malt Whiskeys und Bränden und die Klassiker der Barküche bietet: Club-Sandwich, Salate, Steaks und kleine Desserts. Das macht Appetit. Wir wählen einen Special-Burger und einen Caesars Salad. Nach nur 20 Minuten kommen unsere Speisen, perfekt angerichtet, kompetent präsentiert und von Qualität: Der Burger besteht aus einem auf den Punkt gegartes Angus-Filet mitsamt Beilagen auf dem Brötchen. Die Pommes Frites sind knusprig und verleugnen ihre Herkunft von echten Kartoffeln keineswegs.

Auch der Salat wird unseren Anforderungen mehr als gerecht: Anchovis und leichtes Creme-Fraiche-Dressing mit Dijon-Senf markieren den Unterschied zum Doubel aus dem Steakhaus. Vorzüglich dazu auch die empfohlenen Drinks: In der Margarita gibt der Tequilla den Ton an, ohne dumpf oder gar langweilig zu werden. Tequilla ist ohnehin eine neue Entdeckung des Harry‘s, Edelvarianten gibt‘s in der hauseigenen Smoker‘s Lounge zum Test. Nur unser nächster Drink fällt etwas ab: Der „Prince of Wales“, ein Champagner-Cocktail der einst in Harry‘s New York Bar erfunden wurde, hat deutlich zu viel Cognac und präsentiert sich im schnöden Sektglas anstatt im geeisten Silberbecher. Dies ist aber nur ein kleiner „Wehmutstropfen“ im Mix dieses perfekten Cocktail-Erlebnisses. Wir sind bester Dinge, zahlen gern die durchaus stattliche Rechnung und steigen ins Taxi.

Die Nacht mit Lenin

Unser russischer Fahrer reagiert leicht irritiert, als wir ihn bitten, uns zum KGB zu bringen – nein, nicht in der Lubyanka, sondern in die Bar hinter dem Anzeiger-Hochhaus. Im Souterrain werden wir von Genosse Lenin persönlich begrüßt. Großformatig hängt sein Porträt über einer Sitzgruppe aus rotem Leder. Ansonsten hat das Lokal die Atmosphäre einer Kantine, à la russischer Geheimdienst. Auf Fotos an den Wänden treffen wir neben Vladimir Putin auch Herbert Schmalstieg. Von den farbig auf der Karte abgebildeten Cocktails lassen wir allerdings trotzdem die Finger, hier trinkt man Vodka. Verwunderlich für eine russische Bar ist, dass es neben den skandinavischen Marken nur eine original russische gibt – Russki Standard aus Petersburg. Aber der hat es in sich.

Die Karte, ein Klemmbrett, offeriert zudem eine ganze Zahl von Speisen, die immerhin bis zum Barschluss in den frühen Morgenstunden angeboten werden. Natürlich Borschtsch, dann russische Maultaschen und Pfannkuchen jeweils in diversen Varianten. Der mit Lachs und Creme fraiche (6,50 Euro) ist zwar kalt, aber hausgemacht und durchaus schmackhaft. Der Service, den wir nach unserer Vorinformationen eher in Uniform erhofft hatten, ist freundlich und fragt sogleich nach: Wollen wir den Vodka deutsch (2 cl) oder russisch (4 cl) trinken? Wir bleiben unserem Heimatland treu. Dafür wird das eiskalte Getränk aber regelmäßig nachgefüllt.

Ein kurzer deutscher (2 cl) Ausflug in den Edelbereich von „Absolut“ lohnt sich nicht – wir bleiben beim Original. Dessen Güte ist Garant, dass wir unseren Barbesuch nicht am nächsten Tag im Kopf spüren – oder liegt es an der mitgelieferten Zitronenscheibe. In jedem Fall wird es uns in der KGB-Bar nicht langweilig. Der Kult-Faktor hilft über die Unzulänglichkeit in Details hinweg. Das Erlebnis zählt. Wir zahlen einen übersichtlichen Betrag und verlassen den Keller, der durchaus kein Abstieg war, gegen drei Uhr.

Anlegestelle mit Niveau

Für einen langen Abend braucht man eine gute Grundlage. Wir legen sie im Pier 51. Coole Atmosphäre, hochwertiges Ambiente, netter Service. Und das mit rundum verglastem Meerblick − auf den grauen Maschsee. Auch in der dunklenJahreszeit denkt man hier an Urlaub. Die Karte bietet eine gute Kombination aus Regionalem und Crossover. Wir starten mit einem Thunfisch-Carpaccio an Curryöl, das allerdings ein bisschen tranig daherkommt. Die halbe Ente mit Sojagemüse und der Zander auf Kartoffel-Specksalat machen das aber wieder gut. Ausgewogene Aromen, alles frisch, aber auch keine großen Überraschungen. Dazu wählen wir den Weißburgunder von Johner aus einer durchaus gut sortierten Karte. Vom Nougat-Pannacotta mit eingelegten Kirschen lassen wir lieber die Finger. Wir haben noch etwas vor. Und legen gut gelaunt ab zu unserer Kreuzfahrt durch das Hannoversche Nachtleben.

Zeitreise in die 80er

Sie bringt uns zunächst zum Flughafen. Nicht um Abzuheben, sondern um im Maritim Airport eine Hotelbar alter Prägung zu erkunden. Wir nehmen unter einer Autogrammkarte von Margot Werner Platz und bestellen aus der Bar-Karte: Club-Sandwich und Burger. Beides ist o. k., wenn man dem großformatigen Fleischklopps seinen jüngsten Aufenthalt in der Kühltruhe auch anmerkt.

Wir entscheiden uns gegen die Cocktails und für die Longdrinks. Hier tummeln sich vor allem Gäste des Hauses, und wir werden Zeuge der Ausgelassenheit von Vertriebsmitarbeitern einer großen Bausparkasse. Aber in der räumlichen Weite dieser Bar hat man genug Möglichkeit, sich abzulenken. Dazu trägt auch der Pianist bei. Es sollte der einzige bleiben, den wir in dieser Nacht erleben.

Die Mini-Ausgabe

Für Hannovers einzige 24-Stunden-Bar muss man ins Hotel. Die Minibar ist zugleich der Empfangsbereich des Cityhotels am Thielenplatz. Longdrinks und frisch gezapftes Bier gibt es rund um die Uhr. Das Ambiente passt zu einem Zwei-Sterne-Haus, hat aber die Chance, echter Kult zu werden. Denn hier trifft sich alles: Früh-Starter und Spät-ins-Bett-Geher, und sie ergeben eine bunte Mixtur.

Spandau ist nicht nur in Berlin

In der Nordstadt hat sich das Spandau einen anerkannten Platz in der Partyszene gesichert: Vorn Bistro, auf der Galerie mit Raucherbereich restaurantartig, und im Keller tobt die Party. Wir lassen uns in der Chill-out-Zone nieder und werden von einem wandfüllenden LED in wechselnde Lichtstimmungen getaucht. Das Publikum ist jung und um einen coolen Eindruck bemüht. Die Karte bietet einen Rundgang durch Europa – vom portugiesischen Käsebrot bis zur Crème brullée. Letztere ist kalt und an der gezuckerten Oberfläche deutlich geschwärzt. Essen spielt im Spandau eindeutig nicht die Hauptrolle. Auch unsere Margarita ist in erster Linie hochprozentig. Dennoch: Die Stimmung und das Design-Ambiente machen Spaß. Für eine Party mit Beck’s kunterbunten Mixgetränken und einen Snack von der Nach-22-Uhr-Karte reicht es allemal.

Cafe-Bar-Lounge in der Innenstadt

Das HeimW in der Georgstraße schafft den Spagat zwischen Coolness und Gemütlichkeit. Wer will, kann an einem der Bistrotische essen, sich an der Bar unterhalten oder sich in einer der beiden Lounges (eine für Raucher) auf Sofas räkeln. Drei perfekte Klimazonen, je nachdem, wie fortgeschritten Tag oder Abend sind. Vom Essen raten wir allerdings ab. Bis 23.00 Uhr bietet die Küche eher Langweiliges, das vom Service angemessen präsentiert wird: Putenspieße mit Salsa (aus dem Glas), Pflaumen im Speckmantel (verbrannt), Clubsandwich (geschmacksneutral). Dafür sollten Sie einen der Cocktails versuchen: Der Mojito hält genau die Waage zwischen Minzigkeit und Süße, die Caipirinha erinnert noch an ihre Ursprünge und ist weit mehr als eine Partydroge. Das Konzept des HeimW ist rund. Man bietet den unterschiedlichsten Gästen eine Heimat. Irgendwann lockt uns jedoch das Fernweh hinaus.

Perfektion pur

Die Bar-Institution Hannovers ist fraglos das Oscar‘s in der Georgstraße. Hier gibt es zwar nichts zu essen, aber sonst alles: perfektes Ambiente, perfekte Cocktails und genau das richtige Publikum. Mit einem stummen Kopfnicken begrüßt Thomas Fischer, Hannovers bester Barkeeper, seine Stammgäste − und neue Gäste wie Stammgäste. Man verschmilzt augenblicklich mit der gediegenen Gesamtkomposition. Wir trinken einen ausgezeichneten Gin-Gimlet, der durch echten Limettensaft genau die richtige Säure bekommen hat. Und noch einen. Und noch einen. Auf meterhohen Wandregalen präsentiert das Oscar‘s hingegen seine wahre Leidenschaft: Den Malt Whiskey. Rund 300 verschiedene Sorten hat man hier zu bieten und bahnt Interessenten beim Tasting auch kompetent einen Weg durch diesen Dschungel. Hier ist alles gewollt – und gekonnt. Gegen 3 Uhr leeren sich Barhocker und Tische. Wenn mehr los ist, hält der ausgezeichnete Service länger durch. So muss Bar-Kultur sein.

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