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Schnitzel – eine Jagd In Hannover

Auf der Suche nach dem besten Schnitzel der Stadt

Kennen Sie das, den unüberwindlichen Appetit auf eine ganz bestimmte Speise? Und bemerkenswerterweise ist es die deftige Hausmannskost, bei der dieses Phänomen besonders häufig auftritt. Jetzt einen schönen Sauerbraten. Jetzt eine Lammkeule. Oder: Jetzt ein Wiener Schnitzel.

Letzteres hat uns diesesmal umgetrieben. Wohlgemerkt das Original, nicht die „Wiener Art“, mit der man hierzulande Schweine plattklopft. Es muss aus bestem Kalbfleisch sein, hauchdünn, goldbraun, tellerfüllend, mit welliger Panade in Butterschmalz schwimmend gebraten. Wir haben uns für Sie auf die Lauer gelegt. Aus rund 40 Restaurants, bei denen wir uns als Schnitzel-Junkies zu erkennen gegeben haben, haben wir vier ausgewählt, die auf unsere Nachfrage mit einem „Selbstverständlich“ und drei Ausrufezeichen reagierten.

Hier also die Abrechnung mit den Schnitzelkönigen Hannovers. Nach vier Wiener Schnitzeln und dem danach notwendigen Kompensations-Jogging ist unser Appetit zunächst einmal gestillt. Aber wir wissen: Er kommt wieder. Und dann ist klar, wo wir hingehen. Ins Vienna.

Vienna – ein Name ist Programm.

Das Restaurant im Fachwerkhaus gleich gegenüber vom Ballhof begrüßt uns mit Schunkelliedern und leichtem Essensgeruch. Das Setting passt. Ein Wiener Schnitzel will man schließlich in einer „Wirtschaft“ essen, nicht im Nobellokal. Das Vienna ist also in bestem Sinne authentisch. Dennoch werden wir ohne Wiener Schmäh, sondern freundlich und locker betreut. Ein schöner Grüner Veltiner von Pröll und ein Welschriesling verkürzen uns die Wartezeit bis zum Erscheinen des Hauptdarstellers: groß und goldbraun lacht uns das Schnitzel vom Teller entgegen. Saftig und zart sind die ersten Bissen.

Ein bisschen mehr Pfeffer hätte der Panade gut getan – aber das ist nur eine kleine Anmerkung zu einem rundherum gelungenen Schnitzel-Erlebnis. Der Vogerl-Salat als Beilage ist perfekt angemacht. Die Petersilienkartoffeln sind dagegen eher nichtssagend. Aber wir lieben es. Der Küchenchef aus dem Burgenland ist ein guter Botschafter seiner Heimat. Erfreulich auch der Preis: Mit 13,90 haben wir hier das beste und gleichzeitig das günstigste Wiener Schnitzel Hannovers erwischt. Kompliment. Bei der Qualität sind auch Tafelspitz und Apfelstrudel sicher eine Freude. Aber die testen wir erst beim nächten Mal. Unser Schnitzel lässt wenig Platz für mehr. Passend zur schönen blauen Donau von Johann Strauss bringt uns „Kaiserin Sissi“ noch zwei große Braune von Meinl. Sie und ihr Service-Kollege („Kaiser Franz“) haben sich passende Künstler-Namen zugelegt. Reizend.

Fritz Wichmann – Gourmettempel auf Abwegen

Kann eine prämierte Top-Küche auch ein einfaches Gericht zubereiten? Ja – sollte man meinen. Und so bestätigt man auf Nachfrage, dass man uns selbstverständlich gern ein Wiener Schnitzel brät, ob- wohl es nicht auf der Karte steht. Auch bei Fritz Wichmann fühlt man sich gleich wohl: Die Sitzbänke, das eher massive Interieur und die alten Ölgemälde an den Wänden schaffen ein gemütliches Ambiente. Würdig und selbstbewusst die Begrüßung: „Sie sind also die mit dem Wiener Schnitzel.“ Wir lassen uns verführen, eine Vor- speise zu nehmen. Der Gugelhupf von der Gänseleber sieht einfach zu gut aus. Und sicherlich ist unser heutiges Wiener Schnitzel das ein- zige, das von einem Amuse Buche (Fasanen- und Ententerrine) ange- kündigt wird. Dazu ein grandioser Sancerre, der uns perfekt offeriert wird. Dann bricht die Reihe von Spitzenleistungen aber leider ab: Das Schnitzel ist zu dick, die Panade feucht, fast glitschig. Die dazu ge- reichten Bratkartoffeln waren eindeutig zu lange in der Pfanne. Sehr schade. Wir hatten hier das Gourmet-Schnitzel erhofft. Man könnte vermuten, die Küche hätte keine Lust auf ein so profanes Gericht ge- habt. Aber: Wer hohe Maßstäbe vertritt, muss sich auch an solchen messen lassen. Schließlich ist der Preis mit 28 Euro auch mehr als stattlich. Ein 7 Jahre alter Stilton zaubert wieder ein Lächeln auf die Tester-Miene. Ginge es nicht nur um ein Schnitzel, wäre unser Urteil begeisterter ausgefallen. So bleibt ein fahler Nachgeschmack.

Reizz – Kleinformate in nettem Ambiente

Das Reizz in der Bödekerstraße empfängt uns mit bester Kaffeehausstimmung. Hier fühlt sich ein Wiener Schnitzel sicherlich wohl. Denn das Ambiente ist eine angenehme Mischung aus Wien, Paris und München. Nur der Service kommt unverkennbar aus Hannover: Etwas brummig und nicht übermäßig motiviert weist man uns einen Bistro- tisch zu. Die Karte bietet eine schöne Mischung aus Kleinigkeiten   und respektablen Hauptgängen, die Weinkarte präsentiert gleich mehrere gute Begleiter für unser Schnitzel. Schade ist nur, dass sich die Küche bei der Wahl der Beilagen wenig flexibel zeigt. Mit viel Überredungskunst bekommen wir immerhin zwei verschiedene. Wir bestellen. Und warten. Ein kleiner, sehr gut gemachter Salat leistet uns dabei Gesellschaft. In großen Bistrotellern erreicht uns schließlich unser Schnitzel – das heißt, eigentlich sind es zwei, dafür aber eher kleine Teile eines ehemals voll ausgewachsenen Vertreters seiner Art. Sie sind schön dünn und zart, aber flach und ohne ausreichend Fett gebraten. Wir haben offenbar die Küche bei dem Versuch ertappt, unser Wiener Schnitzel zu einem Bestandteil der leichten Küche um- zufunktionieren. Quasi Wiener Schnitzel light. Zum Publikum im  Reizz würde es passen – hier trinkt man ohnehin eher Prosecco als Grünen Veltliner. Dafür ertrinken die Kartoffeln förmlich im Fett. Verkehrte Welt. Bei einem ausgezeichneten Kaffee geben wir dem Reizz dennoch eine gute Drei. Denn wohlgefühlt haben wir uns hier.

Brunnenhof – dann doch lieber Pasta

Eigentlich verbietet es sich, ein Hotelrestaurant in Bahnhofsnähe überhaupt zu betreten. Wäre da nicht diese Werbefigur aus Pappe   die verkündet, hier gäbe es die großen, leckeren Schnitzel. Diesem Anspruch müssen wir auf den Grund gehen, zumal sich im Haus auch noch ein Wiener Café befindet. Wir versuchen es also und müssen lernen: Manches Klischee hat seine Berechtigung. Sobald Sie den Eingang passieren, begeben Sie sich auf eine Zeitreise und werden nach nur wenigen Schritten in die Siebziger zurückversetzt. Wohlge- merkt nicht in die hippen Flower-Power-Kulissen moderner Designer  in orange und braun – nein, in das Original. Tapfer bahnen wir uns unseren Weg durch dieses Museum und nehmen am Tisch neben dem Namensgeber des Hauses Platz:

In einem kleinen Innenhof plätschert ein Brunnen vor sich hin – und liefert die Wasserzufuhr für ein Forellenbassin, dessen Insassen darauf warten, verzehrt zu werden. Jetzt erstmal einen Schluck Wein: Die Karte bietet mehrheitlich badische Tropfen – nicht schlecht, aber für ein Restaurant mit Österreich-Bezug doch einfallslos. Der Vorspeisen-Salat ertrinkt in einem durchaus ordentlichen Senf-Dressing, das Brot hat schon bessere Tage gesehen. Und dann dieses Schnitzel der Superlative – zu klein, zu dick, zu fett. Umschlossen von einem Berg ebensolcher Bratkartoffeln. Es gibt wenig, was wir zur Ehrenrettung schreiben könnten, wäre da nicht ein wirklich engagierter, freundlicher Service.

Die Favoritenliste unserer Schnitzeljagd

  1. Vienna
  2. Fritz Wichmann
  3. Reizz
  4. Brunnenhof
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