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Leichte Gerichte für die heißen Tage

Wider die Fleischeslust

Was haben heiße Sommertage und eine deftige Lammhaxe gemeinsam? Nichts. Denn in der Hitze Hannovers verlangt es uns eher nach leichter Küche. Salate und kleine Gerichte stehen hoch im Kurs.

Das Vegetarier-Museum

Das „Hiller“ in der Blumenstraße ist eine Institution für Vegetarier. 1955 von Geo Hiller gegründet ist es das vermutlich älteste Fleischlos-Restaurant in Deutschland. Die Selbstdarstellung verspricht „leckere Frische in Form köstlicher Speisen in angenehmer Atmosphäre“. Wir sind gespannt und werfen zunächst sämtliche Vorurteile über Bord. Denn seit den Zeiten der körnerbegeisterten Sandalenträger wird sich einiges geändert haben. Und in der Tat, so sehen die Gäste im Hiller auch nicht aus. Auf der pflanzenberankten Terrasse herrscht munteres Treiben.

Nur im Inneren des Restaurants übermannt uns die gähnende Atmosphäre eines Gruppendynamikraumes im Gemeindezentrum. Immerhin hat man versucht, durch neues Mobiliar dem Ganzen einen Bistro-Touch zu geben. Wir setzen uns und werfen einen Blick auf die psychotropen Tuschezeichnungen an den Wänden – und dann doch lieber einen in die Karte. Moderne Küche mit Statement, so stellen wir uns das Angebot vor. Ein All-Inclusive-Menü für Zwei zu 29,90 und ein viergängiges Spezialmenü für 21,95 Euro begründen diese Erwartung. Der zweifellos engagierte und freundliche Service nimmt unsere Bestellung auf – und kommt ein erstes Mal zurück: Die Vorspeise ist aus.

Und ein zweites Mal: Der georderte Öko-Wein von Heiner Sauer ist auch aus. OK, das kann passieren. Als uns dann auf die Nachfrage, ob denn im Hiller maßgeblich Bioprodukte verwandt würden, keiner eine Antwort geben kann, sind wir doch überrascht. Der alternativ servierte Soave schmeckt – dass er kulanterweise nicht berechnet wird, versöhnt. Wir starten: Der Avocado-Salat im Buchweizenpfannkuchen fühlt sich an seiner wässrigen Cocktailsauce nicht eben wohl.

Die Spargelsuppe verfügt über keinen erkennbaren Eigengeschmack. Schade. Nächster Versuch: Kichererbsencurry mit Couscous. Die Erbsen sind verkocht, der dezente Curry-Geschmack wird von einem mittig auf dem Teller thronenden Weichkäse in Bierteig deutlich überlagert. Die Maultaschen mit Shitake-Füllung schwimmen in einer eher dumpfen Rahmkäsesauce. Langsam fragen wir uns, ob Zurückhaltung beim Fleisch auch solche in Sachen Würze bedeuten muss.

Haben wir etwas nicht verstanden? Das Quarkmousse auf Beerenkompott und der Ofenschlupfer bringen leider nicht die erhoffte Antwort. Hinter den wohlklingenden Positionen auf der Karte hatten wir kreative und geschmacklich aussagefähige Küche vermutet. Vielleicht hatte der Koch heute einfach einen schlechten Tag? In jedem Fall fehlt der Küche eine klare Idee von sich selbst. Vegetarisch allein reicht eben nicht. Auch wenn sich das Hiller berechtigt einen festen Platz in den Mägen seiner langjährigen Kunden erkocht hat. Neu und Versuchsvegetarier würden wir hier nicht unbedingt hinschicken.

Möhren, auf die wir schwören

An Sommerabenden in der List locken die auf dem Bürgersteig verteilten Tische und Stühle des „Carrots & Coffee“. Nach unserer letzten Erfahrung sind wir vorsichtig. Die liebevoll beklebten Weckglas-Windlichter auf den Tischen bekräftige uns darin. Aber weit gefehlt. Hier empfängt uns kein Öko-Muff. Mit einem ansteckenden Lächeln werden wir vom Service begrüßt, den wir im Verlauf des Abends eher zurückhalten müssen, uns kompetent die Geschichte jeder einzelnen Speise zu erzählen. Keine Frage: Hier sind Überzeugungstäter am Werk, ohne dabei ihre gute Laune zu verlieren oder verbissen zu werden. Wenn sich die Crew mit gleichem Spaß an die Zubereitung der Speisen macht, kann uns nichts mehr passieren. Vor den Genuss haben die Inhaberinnen Ann und Nadia Beyer aber das Staunen gesetzt.

Diese Karte ist bemerkenswert, auch wenn sich nicht jedem sofort erschließt, wo der Unterschied zwischen Kuh-, Hafer-, Reis- und Sojamilch oder 27 (in Worten siebenundzwanzig) verschiedenen Kaffeepositionen besteht. Das „Gesund-und-Lecker-Restaurant“ macht Lust, möglichst viel davon auszuprobieren oder zumindest zu erfragen. Der Bio-Wein aus Sizilien wird nicht unbedingt unser Lieblingstropfen – aber es gibt Cocktails: „Scharfe Möhre“ heißt ein genialer Karotten-Ingwer-Mix, „Mango-Zauber“ eine Frische-Explosion aus Mango, Apfel und Anis. Die schonend-langsam und selbstredend von Hand absolut frisch gepressten Säfte und Smoothies brauchen ihre Zeit, aber es lohnt sich. Und es geht frisch weiter: Der Fenchel-Lauch-Apfel-Salat überzeugt absolut, die zunächst irritiert darin wahrgenommenen Käsewürfel passen sehr gut. Die Lauchcremesuppe mit Cashewnüssen kommt im Vergleich farblos daher. Das Risotto, eine Riesenportion für 7,40 Euro, hätte in der Konsistenz flüssiger sein dürfen – am Geschmack ist nichts zu bemängeln.

Und dann kommt der Star: Der vegetarische Cheeseburger, ein deftiger Seitan-Klops im Sesambrötchen mit der Sie-werden-nichts-vermissen-Garantie. Sehr aromatisch, sehr überzeugend, sehr sättigend – und natürlich mit eierfreier Majo. Nach dem Hauptgang würde es sich lohnen, noch so vieles von der Karte zu probieren. Immerhin reicht es noch zu einem sehr aromatischen Himbeer- Sojajoghurt und einem 1001-Nacht-Kaffee. Mit Vanille, Anis, Koriander und gemahlenem Schwarzkümmel eine echte Geschmacksbombe. Und natürlich können wir uns nicht bremsen, dazu die hausgemachten Pralinen, hier heißen sie Energiebällchen, zu versuchen. Die mit Orange-Vanille-Nougat gefüllten Datteln, das Kardamon-Honig-Marzipan und die Ingwertraum-Nester machen süchtig. Vorsicht. Manchmal erscheint uns der Aufenthalt wie eine Nachhilfestunde in Sachen Ernährung und Zutaten – in Form einer wirklich bemerkenswerten Entdeckungsreise. Hier ergänzen sich Anspruch und Geschmack zu einer ungezwungenen Konzept-Küche in Nachbarschaftsambiente.

Die erstklassigen Zutaten verbinden sich zu kreativen Gerichten, die auch dem Fleischfan eine echte Alternative bieten. Wir nehmen uns fest vor, in Kürze die ebenfalls beeindruckende Frühstücks-Karte zu testen und nippen nochmals an unserem BluAqua Premium-Wasser – natürlich gefiltert und fein verwirbelt.

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