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Eine Reise durch die Welt der Kräuter

Urwald der Genüsse

Kräuter, nobilis, Esslust

Zahlreiche Wildkräuter eignen sich hervorragend für schmackhafte Gerichte und haben zugleich heilsame Wirkung. nobilis nimmt Sie mit in den Kräutergarten, den Sie auch selbst im Balkonkasten anlegen können.

Es ist kein sorgsam gehegter Kräutergarten mit Beeten und Pfaden, durch den der hannoversche HNO-Arzt Jürgen Zabel da leitet – schon eher ein Kräuter-Urwald. Wir bahnen uns einen Weg durch mannshohe Stauden, schieben Büsche zur Seite, wehren quer wachsende Ranken ab. Und die Ziegen. Sie würden sich nur allzu gern aus unserem Kräuterkorb bedienen.

Im Kräutergarten

Zielstrebig zupft Zabel hier ein paar Blätter, dort eine Blüte vom Stängel, schneidet ganze Stiele ab. Und immer wieder kosten wir. Seit er 15 Jahre alt ist, beschäftigt er sich mit Kräutern, sammelt und kreuzt sie, bringt sie von seinen Reisen mit nach Hemmingen, passt sie ins heimische Klima ein. Zabel nutzt sie auch in seiner Praxis, wo er sie in der traditionellen chinesischen Heilkunde verwendet.

Kräuter

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Robert Kroth mit Jürgen Zabel

Heilpflanzen kulinarisch

Wer ihn darüber sprechen hört, fühlt sich an Miraculix erinnert, jenen Druiden aus dem gallischen Comic-Dorf, der mit seinem Zaubertrank für magische Kräfte sorgte. Aber: Was gut tut, schmeckt meistens auch so. Deshalb hat Jürgen Zabel auch die kulinarische Dimension der Heilpflanzen entdeckt. Diese Kräuter bringen ganz neue Geschmacksseiten in bekannten Gerichten zum Klingen, geben als Salat oder eingelegt eine respektable Hauptfigur in manchem Menü ab.

Die Brennnessel

Brennessel nobilis Esslust

„urtica“ – Brennnessel

Die Brennnessel wird seit Menschengedenken  eingesetzt, so war sie die Baumwolle des Mittelalters, wo man aus den faserreichen Stängeln einst Nesselstoff herstellte. In der Heilkunde zählt sie zu den ältesten Heilkräutern mit hohem Vitam A- und Vitamin C-Gehalt. Zudem enthält sie Serotonin, einen wichtigen Nervenbotenstoff, und wirkt damit schlaffördernd. Auch hilft sie zu entwässern und das Blut zu reinigen. In der Küche können Sie die Brennnessel als Spinatersatz nutzen.

Während bereits die Blätter und die Wurzel der Brennnessel mit hochkonzentrierten Heil- und Vitalkräften glänzen, vermögen die Samen diesen Mikronährstoff-Reichtum noch zu toppen. Aus diesem Grund wurden sie in alten Zeiten fleissig gesammelt und in Phasen der Erschöpfung als Stärkungsmittel gegessen. Sie stärken – erfahrungsgemäß – in einer Intensität, die zu einem mittelalterlichen Brennnesselsamen-Verzehrverbot für Mönche geführt hatte – um deren Keuschheitsgelübde nicht zu gefährden. Jürgen Zabel nennt sie auch das „Viagra des Mittelalters“.  In den Samen finden sich nämlich hormonähnliche Substanzen und Vitamine, die dafür bekannt sind, einer Leistungsschwäche der Geschlechtsorgane beheben zu können. Doch werden von den winzigen Brennnesselsamen nicht nur Libido, Potenz und Zeugungsfähigkeit auf Vordermann gebracht, sondern auch die Milchproduktion stillender Mütter.

Kräuter konservieren

Tipp: Der Samen der Brennnessel eignet sich hervorragend als Gewürzsalz. Einfach die Samen trocknen, mörsern und mit Salz vermengen.

Tipp: Sie können alle Kräuter konservieren, indem Sie diese einfach ernten und in einem leckeren Öl oder Essig einlegen!

 

Die Eberraute

Eberraute nobilis Esslust

Artemisia abrotanum – Eberraute

Die Eberraute ist ein besonders geschichtsträchtiges Kraut. Es war eins der heiligen Kräuter der Kelten, Hildegard von Bingen hat es verwendet und für Karl den großen war es eines der vorgeschriebenen Kräuter für die Gärten seiner Untertanen. Dazu ist die Eberraute mit ihren leichten Bitterstoffen höchst aromatisch – heute wird das Kraut auch häufiger „Cola-Kraut“ genannt.

Dank seines hohen Anteils an ätherischem Öl wurde es früher gegen Flöhe oder Würmer eingesetzt. Die enthaltenen Bitterstoffe  stärken den Magen und die Verdauung. Die Bitterstoffe entfalten hierbei eine appetit- und verdauungsfördernde Wirkung.  Aber Achtung: in zu hoher Menge wirkt es auch schweißtreibend! Die Eberraute gehört zur Familie der Wermuth-Pflanzen.

Tipp: Die Eberraute können Sie für Ihre Gäste einfach in Quellwasser geben – ein erfrischendes Kräuterwasser!

Die Gartenmelde

Gartenmelde nobilis Esslust

Artiplex vulgare var hortense – Gartenmelde

Die Gartenmelde ist, wie viele andere Gemüse reich an Vitaminen (A, C) und Mineralstoffen (Kalzium, Kalium, Magnesium, Phosphor) und Protein. Ähnlich wie Spinat enthält sie auch Oxalsäure, jedoch in geringerer Menge als dieser. In den Samen der Gartenmelde ist Saponin enthalten, so dass diese abführend wirken.

Die Blätter wirken harntreibend. Blätter und Samen dienten früher als Brech- und als Abführmittel. Sie wurden außerdem zur Anregung des Stoffwechsels als Frühjahrskur und bei nervöser Erschöpfung verwendet. In der Volksmedizin wurden damit auch Lungenkrankheiten behandelt. Äußerlich angewendet sollen die Blätter bei Gicht helfen. Die Samen wurden mit Wein vermischt bei Gelbsucht verabreicht. Einreibungen aus dem Saft der ganzen Pflanze galten als Volksheilmittel bei Hautkrankheiten und Geschwüren im Rachen.

Gartenmelde wird entweder zubereitet wie Spinat oder junge Blätter werden roh im Salat verwendet. Probieren Sie es einfach aus, die Gartenmelde ist besonders bei Kindern beliebter als Spinat.

Die Agastache

Die Agastache stammt aus zwei weit entfernten Winkeln der Welt. In Mexiko wird sie wegen ihres Anis- Fenchel-Aromas, in Korea wegen ihrer verdauungsfördernden Wirkung geschätzt und bei fetten Gerichten deshalb einfach mitgekocht. Jürgen Zabel kreuzte aus beiden Sorten die Hemminger Variante. Die gezahnten Blätter erinnern an Nesseln, der Geschmack an Minze. Agastache ist ein natürlicher Geschmacksverstärker. Bei Fleisch oder Eintöpfen intensiviert sie die Aromen, bereichert Salate mit einer süßlichen Note. Und sollten Sie zuviel davon haben, machen sich die Blütenkerzen auch wunderbar in der Vase.

Verwandlungskünstler Minze

Minze ist ein echter Verwandlungskünstler im Kräutergarten. Über 30 Arten gibt es – darunter so spannende wie die Schoko- oder die Mochito-Minze. Nach ausführlichem Test empfehlen wir die Apfelminze. Sie ist ungleich feiner im Geschmack als herkömmliche Pfefferminze, zudem magenschonend und ergibt getrocknet einen wunderbaren Tee. Wer es rustikaler mag, vermengt sie mit Schafskäse und Olivenöl zu einem herrlich frischen Salat.

Apfelminze nobilis Esslust

Mentha suaveolens Subspez.- Apfelminze

 

Erdbeerminze nobilis Esslust

Mentha Arvense Sebspez. – Erdbeerminze

Schweizer Minze nobilis Esslust

Schweizer Minze

Tipp: Ein Blättchen Erdbeerminze mit in die selbstgemachte Erdbeermarmelade geben, dann bleibt diese schön rot!

Tipp: Mit Schweizer Minze können Sie ein wunderbares Kräuterwasser machen. Einfach ins Frischwasser geben.

Tipp: Der leckerste Minztee ist der aus Apfel-Minze! (magenschonend)

Baumspinat (Melde-Art)

Baumspinat nobilis Esslust

Artriplex Vulgare Subspez. – Baumspinat

Eine schmackhafte Mischung aus Kraut und Gemüse ist der Baumspinat. Im Vergleich zum normalen Spinat wächst er ganzjährig. Er ist würziger und eignet sich zum Beispiel sehr gut zum Rührei. Dünsten Sie ihn mit Zwiebeln in Öl, oder reichen Sie ihn mit Curry als Gemüsebeilage zum gebratenen Lachs. Er muss etwas länger gegart werden als sein Namensvetter, bietet dafür aber eine höhere geschmackliche Intensität. Der Blattfarbstoff in den purpurnen Stängeln wirkt laut Jürgen Zabel krebshemmend und ist auch bei Reizdarm sehr empfehlenswert.

Eine japanische Delikatesse: Shiso

Zum Schluss präsentiert Jürgen Zabel noch eine japanische Delikatesse: Shiso. Im Reich des Tenno genießt man das Würzkraut mit Sushi und Sashimi. Die grünen Blätter werden zu kunstvollen Fächern gelegt und wegen ihrer lebenserhaltenden Wirkung verehrt. Kein Wunder, meint Jürgen Zabel: Shiso schützt vor Fischvergiftungen. In Deutschland gibt es gewöhnlich nur den roten Shiso. Wickeln Sie gekochten Reis in die frischen Blätter ein oder verwenden sie ihn als geschmacklich reizvolle Alternative zum Basilikum bei Caprese. Im Salat bringt er allemal fernöstliches Flair auf den Tisch. Die Pflanze ist leider nicht winterhart. Aber der Samen des roten Shiso ist auch getrocknet  sehr lecker als Tee – oder, mit Sesam gemischt, als Würzpulver.  Die Heilwirkung: Der Shiso enthält im Samen viel Omega-3, er wirkt antiviral, tumorzellhemmend und antibiotisch. Shiso ist ein echter Geschmacksverstärker (natürlicher Zucker).

grünes Shiso nobilis Esslust

Perilla frutescens veridae – grüner Shiso

roter Shiso nobilis Esslust

Perillo frutescens rubra – roter Shiso

Estragon

Estragon nobilis Esslust

Arthemisia Dracunculus – Estragon

Passt perfekt zu Fleisch und hellen Sausen (Fisch, Hähnchen). Seine Wirkung: verdauungsfördernd und gut gegen Blähungen.

Weißer Meerrettich

weißer Meerrettich

Bunyas orientalis – orientalischer weißer Meerrettich

Auch „Zackenpfötchen“ genannt. Sehr lecker in Wurzel und Blatt, da keine Bitterstoffe. Deshalb können Sie vom Blatt des weißen meerrettich auch wunderbar Öle herstellen. So ein Blatt schmeckt auch lecker auf einem Wurstbrot oder zum Käse. Aber Achtung, scharf! Eine Erscheinungsform des meerrettich ist ja mehr als modern – Wasabi zum Sushi. Er konserviert über die Schärfe den Fisch, verhindert Fischvergiftungen. Heilende Wirkung: antibiotisch, blutreinigend, entwässernd.

Koriander

Koriander

Coriandrum sativum – Koriander

Koriander ist aus der Thai-Küche, der indischen Küche zum Curry oder auch in Vietnam und Mexico aus der küche nicht mehr wegzudenken. Medizinisch ist es ein echter Grippe-Verhinderer! Koriander findet seit der Zeit des antiken Ägypten  Verwendung in der Pflanzenheilkunde. Als Droge werden die getrockneten Früchte verwendet. Die ätherischen Öle wirken appetitanregend, verdauungsfördernd, krampflösend und lindernd bei Magen- und Darmleiden. Dazu müssen die Samen gequetscht oder zerrieben werden, weil sonst die Öle nicht mit Wasser herausgelöst werden können.

Die Kapuzinerkresse

Eigentlich stammt sie aus den Urwäldern Südamerikas, jetzt wächst sie im Kräuter-Urwald von Hemmingen. Die Blätter und Früchte, vor allem aber die Blüten sind essbar. Letztere als schmackhafte Dekoration auf Salaten, erstere in Streifen gehackt als Salatzutat. Die Blätter schmecken frisch und pfeffrig, leicht scharf. Die Knospen und grünen Früchte lassen sich wunderbar in Balsamico- Essig einlegen und sind, wie Kapern, eine Bereicherung für Soßen, Mayonnaisen oder den Antipasti-Teller. Bei all dem Genuss ist die Kapuzinerkresse virushemmend und beugt Krebs vor. Diese Eigenschaften wurden auch schon pharmazeutisch genutzt. Ein echtes Super-Kraut also.

 

Auch für den Balkonkasten geeignet …

So exotisch manche dieser Kräuter klingen – unsere nobilis-Kräuterauswahl lässt sich bequem auch im Balkonkasten ziehen, Setzlinge oder Samen gibt es in vielen gut sortierten Kräutergärtnereien. Und für solche ohne grüne Daumen: Unsere Kräuter eignen sich auch hervorragend als Tee – wenn Sie mal vergessen sollten zu gießen.

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